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NikaL15 февраля 2016 г.Der Kapitalismus hat Russland Anfang der Neunziger im Nu erobert. Die Russen auf dem Newskiprospekt tragen mehrere Handys und mindestens einen iPod. Sie kaufen bei Gucci und Armani. Sie fahren gerne in großen Limousinen, sobald sie genug Geld dafür haben. Meine Cousine hat im Bad eine Fußbodenheizung und in der Küchenspüle einen Abfallzerkleinerer. Jalousien hat sie nicht. Der russische Kapitalismus hat seine Lücken.
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NikaL15 февраля 2016 г.Читать далееIn Petersburg ist es ähnlich: Alle sprechen von den Weißen Nächten, keiner spricht von den Mücken. Dabei leben vor allem in den Sommermonaten, vor allem im Juni, vor allem während der Weißen Nächte, weitaus mehr Mücken als Menschen in Sankt Petersburg. Die Sadt liegt an der Ostsee und aud einer so gut gut es ging trockengelegten Sumpflandschaft – die Mücken sagen sich: Ein angenehmeres, warmfeuchteres Klima könnte es für uns gar nicht geben, und dann noch die Romantik der Weißen Nächte!, und übervölkern die Stadt. In Parks zur Abendzeit sind ihre Schwärme teilweise so dicht, dass man kaum einen Meter weit sehen kann. Und sie alle haben nur ein Ziel: mich.
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NikaL15 февраля 2016 г.Im Leben ist es meiner Meinung nach oft so: Über die schönen Dinge wird viel gesprochen, aber die schlechten Seiten werden unter den Teppich gekehrt. Wie in der Werbung: Wie köstlich die Schokolade ist, wird ausführlich geschildert; aber wie sie sich an den Hüften festsetzt, nicht einmal im Nebensatz erwähnt.
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NikaL15 февраля 2016 г.Es stellt sich heraus, dass in Russland jedes Auto als Taxi gilt. Man verhandelt den Preis mit dem Fahrer, und der nimmt einen mit. So manche Ärzte und Lehrer, die in Russland von ihrem Gehalt kaum leben können, verdienen sich abends auf diese Weise noch ein bisschen Geld dazu.
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NikaL15 февраля 2016 г.Immer hieß es, die Metrostation sei ganz in der Nähe. In der Nähe ist in der Fünfmillionenstadt eigentlich alles. Wenn man nur eine Dreiviertelstunde mit der Metro fahren muss, heißt es, man wohne gleich um die Ecke.
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NikaL15 февраля 2016 г.(...) nichts ist schlimmer für einen russischen Mann, den man nach dem Weg fragt, als zuzugeben, dass er diesen nicht kennt.
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NikaL15 февраля 2016 г.Stolz auf sein Verständigungstalent, wurde er übermutig und versuchte, sich zu erkundigen, wann den der nächste Bus käme. Er erntete Gelächter. In Russland kommt der Bus, wann er kommen will. Wenn der Busfahrer Mittag essen oder seine Geliebte besuchen will, kommt er vielleicht mehrere Stunden lang nicht.
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NikaL15 февраля 2016 г.Читать далееDas alles schärfe ich Jost ein. Ich weise ihn weiterhin an, in der Metro besonders russisch zu gucken. Lernen kann er den Blick am besten von den Metrofrauen. Die Metrofrauen sitzen, gekleidet in blaue Uniformen und Militärmützen und in Glashäuschen eingeschlossen, am Fußende einer jeden Rolltreppe und haben nichts weiter zu tun, als den lieben langen Tag die Rolltreppe zu beobachten. Was sie im Notfall können, oder für welche Notfälle sie zuständig sind, wissen wahrscheinlich nicht einmal sie selbst. Zeitung lesen oder telefonieren dürfen sie nicht. Zahnstochern sieht man sie auch nur selten. Sie dürfen sich die Rolltreppe anschauen, den ganzen lieben Tag lang. Dementsprechend glücklich sind ihre Gesichter. Dieser Blick öffnet einem in Russland Türen.
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NikaL15 февраля 2016 г.Sich im Auto anzuschnallen ist die größte Beleidigung, die Sie einem Fahrer antun können.
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