Zweimal mit den Tagesthemen... «Arbeit und Struktur»
NikaL20 мая 2016Zweimal mit den Tagesthemen telefoniert. Nach meinen schlechten Erfahrungen zuletzt verlange ich eine Zusicherung, daß sich das Interview ausschließlich um Literatur drehen wird. Kein Problem. Das ist man mir auf Anfrage sogar schriftlich zu geben bereit. Und kein Schnittmaterial, ich fahre keine Rolltreppen rauf und runter: Auch kein Problem. Nur ein Studio, zwei Sessel, der Interviewer und Sie – und man darf mich für naiv oder vollkommen verblödet halten, aber erst in diesem Moment wird mir klar, worauf das hinausläuft. Denn selbstverständlich wird es ein Voice-over geben, und daß da kein klagenfurtporträtähnlicher Unfug wie „armer Hirnkranker schreibt sein letztes ergreifendes Buch“ herauskommt, kann und will man mir nicht garantieren. Weder schriftlich noch sonstwie. Zweimal fällt der Satz, man sei ein hochseriöser Sender, ein Qualitätsmedium, Herr Herrndorf, Sie kennen uns, wo kommen wir denn hin, wenn der Betroffene jetzt den Beitrag über sich selbst rückkontrolliert? Sowas hat man ja in hundert Jahren Öffentlich-Rechtlichem noch nicht gesehen! Stellen Sie sich vor, ein Politiker würde –
Ja, der hat aber auch ein Anliegen.
Sie haben auch ein Anliegen, Sie wollen Bücher verkaufen.
Ja. Nein. Jedenfalls nicht so dringend, daß ich dafür die hier diskret und offenbar für die meisten Journalisten zu diskret gezogene Grenze zwischen Blog und Marketing plattmachen würde. Danke und auf Wiederhören.
Überflüssig zu erwähnen, daß in der Qualitätsredaktion bis jetzt noch keiner das Buch bis zum Ende gelesen hat.
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