
Стефан Цвейг. Библиография
seniorita_Anita
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Im Stefan Zweigs Theaterstück, bzw. einer dramatischen Dichtung in neuen Bildern dem Autor nach, Jeremias (1917) sind pazifistische Tendenzen deutlich zu erkennen. So warnt Jeremias, einer der wichtigsten Propheten des Alten Testaments, das Reich Juda vor dem Krieg mit dem Assyrischen Reich und besteht auf dem Frieden. Das Volk und der König nehmen seine Worte nicht wahr: „Nie wird ein Feind diese Stadt [Jerusalem] umwallen, / Nie Zion zittern, nie Davids Burg fallen! / Und wenn der Feind von den Enden der Erde käm, / Ewig werden die ragenden Mauern, / Ewig die Herzen Israels dauern, / Ewig währet Jerusalem!“ (S. 317). Man kann hier schon nationalistische Einstellungen des Reiches Juda erkennen in seiner Überzeugung, es sei von Gott einzig auserkoren und wird immer beschützt. Demzufolge ist die Position dieses Volkes besonders im Vergleich zu anderen. Deswegen werden pazifistische Ideen von Jeremias als verräterische bezeichnet.
Interessant ist auch Argumentation des Krieges. Auf einer Stelle heißt es:
„HANANJA: Unheiligem Krieg ist es gesagt, Zwist der Geschlechter Israels! Doch dies ist ein heiliger Krieg, ein Gotteskrieg ist es, Jerusalem, um deines ewigen Namens willen, ein Gotteskrieg, ein Gotteskrieg!
JEREMIAS: Abtut Gottes Namen vom Kriege, denn nicht Gott führet Krieg, sondern die Menschen! Heilig ist kein Krieg, heilig ist kein Tod, heilig ist nur das Leben.“ (S. 384)
Dabei ergibt sich die Zuschreibung des Krieges zum Willen des Gottes, die von Priestern und oben Stehenden propagiert wird. Jeremias bezweifelt dies und deutet an, Kriege werden von Menschen und nicht von Göttern geführt. Ein zweites Beispiel der Propaganda kann man im folgenden Dialog zwischen zwei judäischen Kriegern finden:
DER ZWEITE KRIEGER: Weißt du etwas von den Chaldäern?
DER ERSTE KRIEGER: Unsere Feinde sind sie, das weiß ich, und wollen wider unsere Heimat. DER ZWEITE KRIEGER: Nicht dies meine ich. Ich frage dich, hast du ihrer je einen gesehn, kennst du ihre Sitten und Lande?
DER ERSTE KRIEGER: Grausam sind sie wie wilde Katzen und heimtückisch wie die Schlangen, hat man mir gesagt, und sie werfen ihre Kinder in Götzensteine von Kupfer und Blei. Doch nie habe ich ihrer einen gesehen. […]
DER ERSTE KRIEGER: Sie sind unsere Feinde, wir müssen sie hassen.
DER ZWEITE KRIEGER: Warum muß ich sie hassen, wenn mein Herz nicht weiß um diesen Haß?
DER ERSTE KRIEGER: Sie haben den Krieg begonnen, in unsern Frieden sind sie gefahren.
DER ZWEITE KRIEGER: Die in Jerusalem sagen das so. Doch vielleicht auch sagen sie das gleiche in Babel. Wenn man redete miteinander, man würde vielleicht klar. (S. 404f).
So werden die Chaldäer von dem ersten Krieger als „wilde Katzen“ (ebd.) bezeichnet, die ihre eigenen Kinder töten, obwohl er nie im Chaldäischen Reich war und keinen davon kennt. Seine Kenntnisse werden von der Propaganda der Politiker geschaffen, damit er dieses Volk hasst. Hier lässt sich also die nationalistisch-kriegerische Politik der europäischen Länder im Ersten Weltkrieg erkennen. In diesem Sinne kann das ganze Theaterstück über alte Zeiten als Allegorie zur Stefan Zweigs Gegenwart gelesen werden.
Aus der formellen Seite fand ich auch die Verteilung des Stücks in neun Bilder interessant, die mit Titeln versehen sind (I. Die Erweckung des Profeten; II. Die Warnung; III. Das Gerücht; IV. Die Wachen auf dem Walle; V. Die Prüfung des Profeten; VI. Stimmen um Mitternacht; VII. Die letzte Not; VIII. Die Umkehr; IX. Der ewige Weg) ähnlich wie manchmal Kapitel in Romanen. Auffällig ist auch, dass alle Bilder mit Epigraphen anfangen, die Propheten des Alten Testaments zitieren und dem Inhalt des kommenden Bildes entsprechen und metaphorisch gesagt „prophezeien“. Man kann an dieser Stelle von dem Umdenken der theatralischen Gattung sprechen und eine Tendenz zu der Überschreitung der Grenzen zwischen Epos und Drama finden. Auch der Untertitel des Werks (eine „dramatische Dichtung“ und später ein „Gedicht“), sowie einige Aussagen der Figuren, die mindestens visuell in Gedichtsform erscheinen, weisen auf das Lyrische hin.